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05/02/12 Trauer nach dem Tod von GENEVRA

... tolles Rennpferd, starker Charakter, verdiente Mutterstute ...

Leider starb am Sonntag Vormittag mit GENEVRA (Danheill-Astra Adastra) nicht nur eins der Lieblingspferde von Graf und Gräfin Stauffenberg, sondern auch eine der letzten Stuten aus deren Anfangszeit. GENEVRA war tragend von ARCHIPENKO und stand relativ kurz vor der Abfohlung, denn sie hatte am 23/02 Termin. Mit dem Tod der von Brownstown Stud gezogenen Stute findet eine erfolgreiche und schöne Geschichte ein abruptes und frühes Ende.
Schon der Kauf von GENEVRA war ein besonderes Erlebnis. Die damals noch namenlose braune Stute kam bei der Goffs Challenge Sale, also der schwächeren der beiden Jährlingsauktionen in Irland in den Ring - DANEHILL war mit seinem ersten Jahrgang in Europa eher eine Enttäuschung, die Mutter hatte noch kein besseres Pferd produziert. Das sahen wir als unsere Chance an, denn die von John Troy angebotene Stute nahm uns direkt voll für sich ein – sie sah aus wie ein „Rennpferd“. Energischer toller Schritt, viel Ausdruck, dem man sowohl das Temperament, als auch die Leistungsbereitschaft deutlich ansah und ein sehr korrektes Exterieur sprachen stark für sie. Ihre knappe Grösse und das zwar von vielen Siegern geprägte, aber doch nicht erstklassige Pedigree liessen den Preisrahmen als überschaubar erwarten. Zudem war die Challenge Sale nicht für überhöhte Preise bekannt. Stuten, die kein Toppedigree hatten, waren zudem in schlechten Zeiten nicht sonderlich begehrt. Aber so dachten wohl viele, denn wir hatten unser Limit schon weit überschritten, Sheikh Hamdan höchstpersönlich hatte gerade 40.000 geboten - der Preis war nunmehr eigentlich unrealistisch, wenn GENEVRA kein „Rennpferd“ werden würde. Ich wollte aussteigen als ich auch noch sah, gegen wen wir boten, aber meine Frau wollte die Stute unbedingt haben und so bot ich weiter. Der Verkaufspreis von IRGNS80.000 war schlussendlich der dritthöchste für einen Nachkommen von DANEHILL in 1995. Alle gratulierten und waren der Meinung, dass wir eine tolle Stute gekauft hatten, aber wir waren bleich und erschrocken in dem Wissen, dass sie zu diesem Zeitpunkt extrem teuer erkauft war.
GENEVRA ging zu Harro Remmert in Training und die Eindrücke und Reports machten schon früh Hoffnung auf eine sehr gute Rennkarriere. Ihr erster Start am 24. Juli 1996 auf der Heimatbahn in Köln, der mit einem 3. Platz endete, verlief dann eigentlich enttäuschend. Voller Hoffnung gesattelt, war sie beim Satteln kaum zu bändigen und sprühte nur so vor Eifer. Auch im Rennen war sie dann viel zu eifrig. Der zweite Start brachte die gleiche Platzierung, dieses Mal aber schon auf Listenebene im Berberis-Rennen. In der Winterkönigin hatte sie keine Nennung und so wurde sie zum Jahresabschluss nach Italien verladen um im Premio Dormello, Gr.3 gesattelt zu werden. Nur die extrem clevere Reitweise von Cash Asmussen auf Happy Dancer verhinderte, dass GENEVRA die Maidenschaft in diesem Grupperennen ablegte.
3j. im Frühjahr hatte GENEVRA Probleme mit ihren Blutwerten und fand erst im Juli zu ihrer wahren Leistungsstärke. Ihr Maiden gewann sie hochüberlegen mit 5 Längen, dann direkt in Hoppegarten ihr erstes Listenrennen ebenfalls mit 5 Längen. Den dritten Sieg in Folge erzielte sie dann im Preis des Casino Baden-Baden, ein Listenrennen gegen die Hengste „mit dem Finger in der Nase“, wie es Rennkomentator Manfred Chapman ausdrückte. Danach griff man nach den Sternen, denn sie wurde im Prix de l’Opera, damals noch Gr. 2 in Paris gesattelt. Leider machten Kevin Woodburn die Nerven einen Strich durch die Rechnung und so wurde die sowieso schon schwere Aufgabe unlösbar gemacht.
GENEVRA blieb 4j. im Rennstall, zog sich aber im Frühjahr eine Beckenfissur zu, die die Fortsetzung der Rennkarriere stark in Frage stellte. Aber im August war sie wieder startklar, deklassierte sehr gute Hengste in einem Altersgewichtsrennen mit 4 ½ Längen und gewann dann den Preis von Schlenderhan, ein Listenrennen gegen die Hengste auf für sie eigentlich schon zu weichem Boden sicher gegen veritable Gruppepferde. Ihr letzter Start sollte dann in der Europcar-Meile, Gr.2 erfolgen, denn als sie auf der Zielgeraden eingesetzt wurde, riss ihr ein Muskel auf der Kruppe und so wurde sie als Favoritin nur 6.
In der Zucht brachte sie 9 Fohlen, 8 davon gewannen bis dato in Deutschland, England, Frankreich, Italien und den USA 22 Rennen und €214.815. Der teuerste Auktionsjährling aus der GENEVRA war GRANATO, der für GNS170.00 (ca. €282.000) an Sheikh Ahmed bin Rashid al Maktoum verkauft worden war. Ihr letztes lebendes Fohlen ist die jetzt 2j. GOLD AND WHITE im Besitz von Team Valor, die bei Peter Schiergen einen sehr guten Eindruck zu machen scheint. Ihre 3j. Tochter GOLDEN ERA hat letztes Jahr unter der Obhut von Jean Claude Rouget für Gerard Augustin-Normand in Frankreich gewonnen und kann ja auch noch den ein oder anderen Treffer beisteuern.
Ihrer bis dato besten Tochter, der mehrfachen Listensiegerin GOLDEN WHIP von SEATTLE DANCER obliegt es jetzt, das Erbe ihrer Mutter in der Zucht von Graf und Gräfin Stauffenberg zu erhalten. Dafür bekommt sie gleich in ihrem ersten Jahr die Chance mit dem Topvererber INVINCIBLE SPIRIT.