DEEN

  << Zurück
02/03/11 Genevra ist die erste Stute, die 2011 bedeckt wurde

Genevra und ein paar Anekdoten

GENEVRA, die Mutter vor allen Dingen von GOLDEN WHIP, läutete die Decksaison für die Stuten von Graf und Gräfin Stauffenberg ein. Sie wurde von ARCHIPENKO gedeckt, dem Gr.1 Sieger der gerade seine zweites Saison in der Zucht begonnen hat. GENEVRA war schon im vergangenen Jahr von ihm gedeckt worden, hat aber leider resorbiert.

GENEVRA ist einer der Lieblinge von Marion Stauffenberg unter ihren Mutterstuten und mit ihr verbunden sind einige unvergessene Momente. Schon der Kauf anlässlich der Goffs Jährlingsauktion im Jahre 1995 war etwas besonderes. Ihr später so unglaublich erfolgreicher Vater DANEHILL schien zu diesem Zeitpunkt die Erwartung als Deckhengst noch nicht zu erfüllen. Und da ihre Mutterlinie eher als solide, als spektakulär angesehen werden musste, kam sie nicht in der Goffs Orby, sondern an der am Tag danach stattfindenden Challenge Sale in den Ring. Wir hatten die Stute gesehen und uns direkt "verliebt". Ungemein muskulös, korrekt, sehr aktiv, toller Bewegungsablauf waren die positiven Dinge, ihre mangelnde Grösse unsere Hoffnung, dass sie nicht zu teuer werden würde. Bedauerlicherweise hatten Sheikh Hamdan bin Rashid al Maktoum und sein racing manager Angus Gold auch etwas besonderes in der Stute gesehen und boten gegen mich. Aber sie wollte die Stute unbedingt haben und da CENTAINE mit ihren Erfolgen und der Verkauf von SYLVAN POINT den Geldbeutel etwas gefüllt hatte, hielten wir dagegen und bekamen dann bei GNS80.000 letztlich den Zuschlag. Es wäre unvernünftig viel Geld für die Stute gewesen, wenn sie nicht über ihre Rennleistung das Pedigree und damit ihren Zuchtwert schlussendlich erheblich aufgewertet hätte.

Schon früh hatte Trainer Harro Remmert eine sehr gute Meinung von GENEVRA. In der ihm eigenen bescheidenen Art lies er seine Besitzer aber nicht zuviel Euphorie entwickeln. Seine Aussage, dass die Stute schon bisschen was gezeigt habe, bewahrheitete sich dann später mehr als eindeutig. Beim ersten Start 2j. kam GENEVRA auf ihrer Heimatbahn an den Start. Sie gebärdete sich auf dem Sattelplatz ziemlich ungebührlich, stieg und schlug aus - ja war fast ausser Rand und Band und beruhigte sich eigentlich erst, als sie auf dem Geläuf galoppieren konnte. Sie bezog als 2. Favoritin die Führmaschine, endete schlussendlich für ihre Besitzer enttäuschend zwar auf dem 3. Platz, aber doch deutliche 6 Längen geschlagen. Der Trainer kommentierte zu unserer Überraschung, dass er sehr zufrieden gewesen sei und wir könnten es doch mal in einem besseren Rennen versuchen. Das war dann  das Berberis-Rennen, in dem sie dann ebenfalls 3. wurde, aber deutlich zeigte, dass sie zu besseren Leistungen fähig war. Der 3. und letzte Start 2j. erfolgte dann international im Premio Dormello, Gr.3 in Mailand, dem bedeutendsten Stutenrennen Italiens für den jüngsten Jahrgang - zugleich der erste Auslandsstart eines Pferdes unserer gemeinsamen Aktivitäten. Mit einer sieglosen Stute im Ausland in einem Grupperennen hoffnungsvoll zu starten deutet eigentlich auf Naivität hin, aber der 2. Platz, nur um eine Hals geschlagen, bewies das Gegenteil - noch dazu, wenn man berücksichtigt, dass der Siegreiter Cash Asmussen ihr "die Bude zugemacht" hatte. Die Racingpost kommentierte dessen Sieg "cleverly". So beendete GENEVRA ihre erste Saison als eine der höchsteingeschätzen Vertreterinnen des Jahrgangs 1994.

Zu Beginn ihrer 3j. Karriere hatte die Stute mit schlechten Blut- und Leberwerten zu tun, aber am 26. Juli legte sie hochüberlegen mit 5 Längen ihre Maidenschaft ab. 14 Tage später in Hoppegarten am Start, deklassierte GENEVRA im Preis der BMW Vertriebspartner, L. ihre weibliche Konkurrenz wieder mit 5 Längen. Ihr nächster Start erfolgte im Preis des Casino Baden-Baden, L. anlässlich der Grossen Woche - diesmal gegen die Hengste, aber das Ergebnis auch hier ein überlegener Sieg und das obwohl sie teilweise 3kg mehr als die Konkurrenz zu tragen hatte. Der Griff nach den Sternen im Prix de l´Opera in Paris scheiterte aus verschiedenen Gründen und hohe Verkaufsangebote aus dem Ausland wurden ausgeschlagen, aber es wurde der Entschluss gefasst, GENEVRA noch ein weiteres Jahr im Rennstall zu belassen.

Fast wäre dies verhängnisvoll ausgegangen. Im Winter erschrak GENEVRA durch ein freilaufendes Pferd auf der Rennbahn in Köln und zog sich beim Sprung auf die Seite eine Fissur des Beckens zu. Für eine ganze Weile hing die weitere Laufbahn an einem seidenen Faden, aber als sie nach einem halben Jahr wieder gut galoppierte, konnten wir aufatmen und an eine Fortetzung ihrer Karriere denken. Am 16. August deklassierte GENEVRA - zwar nur in einem Altersgewichtsrennen - ihre männliche Konkurrenz in bewährter Manier und schien auf dem Weg zu alter Form. Dies bestätigte sie dann wiederum in Baden-Baden im Preis von Schlenderhan, L. um dann als Co-Favoritin bei ihrem zugleich letzten Start in der Europcar Meile, Gr.2 einen Muskelfaserriss in der Kruppe zu erleiden. Damit war die Rennkarriere endgültig beendet. Die Bilanz waren 5 Siege, 3 davon auf Stakesebene und eine Gewinnsumme von €83.939.

Der erste Nachkomme von GENEVRA, GIGONDAS ein Hengst von OCTAGONAL, wurde bei der BBAG für umgerechnet ca. €71.500 dem damaligen Championtrainer von Hong Kong - Ivan Allan zugeschlagen; der zweite, GRANATO von CADEAUX GENEREUX bei Tattersalls für ca. €282.000 an Sheikh Ahmed, den jüngeren Bruder von Sheikh Hamdan verkauft, der damals beim Kauf von GENEVRA, der Unterbieter gewesen war. Einen weiteren guten Preis erzielte GIRL OF PANGAEA von SOVIET STAR, als Angus Gold, der racing manager von Sheikh Hamdan, €105.000 bei der BBAG im Auftrag der Cartier Besitzerin Madame Rupert anlegte.

So hat sich die doch hohe Anfangsinvestition glücklicherweise als eine erfolgreiche erwiesen und mit ihrer Tochter GOLDEN WHIP von SEATTLE DANCER hat GENEVRA auch das züchterisch angestrebte Ziel erreicht, ein besseres Pferd zu produzieren und damit auch gleichzeitig ihre Nachfolge in der Zucht von Graf und Gräfin Stauffenberg zu sichern.